Carmen Schell - Über ihren Kampf gegen den Darmkrebs und ihren neuen Lebensmut
Shownotes
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00:00:01: Herzlich willkommen zu lettsTalk
00:00:03: Mutmacher-Geschichten, die verbinden.
00:00:05: Praesentiert von Letterman.
00:00:07: Mein Sanitaetshaus.
00:00:09: Euren Begleiter fuer mehr Lebensqualitaet im Alltag.
00:00:12: Hier dreht sich alles um Menschen, die zeigen
00:00:14: wie man mit Mut und einer guten Portion Lebensfreude durchs Leben geht
00:00:17: Herausforderungen inklusive.
00:00:19: Hier wird es persoenlich inspirierend,
00:00:21: verbindend und garantiert nie langweilig.
00:00:24: Heute sprechen wir mit Carmen.
00:00:26: Sie ist 34 Jahre alt und erhielt ihre Krebsdiagnose mit nur 29.
00:00:30: Es folgte eine schwierige Zeit voller medizinischer Herausforderungen,
00:00:34: Operation an der Wirbelsaeule, der Verlust von Kreuz- und Steissbein
00:00:38: eine schwierige Zeit mit unzaehligen Rueckschlaegen
00:00:41: Carmen teilt ihre Geschichte offen, mutig
00:00:44: und mit einem bemerkenswert klaren nach vorn.
00:00:47: Lehnt euch zurueck. Los geht's.
00:00:50: Hallo und herzlich Willkommen zu einer neuen Folge
00:00:52: Lett's Talk Mutmacher.
00:00:54: Heute sprechen wir ueber ein Thema,
00:00:56: das viele betrifft, aber selten offen besprochen wird.
00:01:00: Krebs bei jungen Menschen.
00:01:01: Ich freue mich auf ein Gespraech mit Carmen, die leider in ihren Jungen,
00:01:05: in ihrem jungen Leben an Darmkrebs erkrankt ist.
00:01:08: Und an ihrer Seite ist heute die Pia,
00:01:10: die ihre Freundin und Physiotherapeutin von Lettsfit ist.
00:01:13: Schoen, dass ihr beide hier seid.
00:01:15: Hallo. Hallo. Danke, sehr gerne.
00:01:18: Jaehrlich erkranken etwa 55.000 Menschen in Deutschland an Darmkrebs.
00:01:23: Das ist damit die zweithaeufigste Krebsart neben Brustkrebs.
00:01:27: Das Thema haben wir ja auch schon mehrfach in unserem Podcast behandelt.
00:01:30: Und das Erstaunliche ist, dass es bei Maennern eher so ab
00:01:34: 71 Jahren losgeht und bei Frauen ab 75 Jahren
00:01:38: und sogar nur 5 % der Erkrankten unter 50 Jahren sind.
00:01:42: Und jetzt bist du ja sogar noch weitaus juenger als 50, Carmen.
00:01:47: Ja. Wie alt bist du?
00:01:48: Ich bin 34 und mit
00:01:52: 29 wurde Darmkrebs diagnostiziert.
00:01:56: Aber seltsamerweise gar nicht im Darm gemerkt, sondern im Ruecken.
00:02:01: Im Ruecken. Wie ist das?
00:02:03: Wie ist dir das aufgefallen?
00:02:04: Und wie hast du dann den ersten Weg zum Arzt auf dich genommen?
00:02:08: Ja, das fing genau eigentlich vor fuenf Jahren an,
00:02:12: ich hatte Anfang Mai so starke Schmerzen im unteren Ruecken
00:02:17: Bereich, dass das ausgestrahlt hat bis ins rechte Bein.
00:02:21: Es war sogar mit taub und dann bin ich nach ein paar Tagen
00:02:28: zum Hausarzt gegangen
00:02:30: und er hat mich natuerlich zum Orthopaeden geschickt und daraufhin
00:02:35: wurde ich dann ins MRT geschickt.
00:02:38: Genau.
00:02:39: Hat dein Orthopaede vorher schon Vermutungen
00:02:42: losgelassen, was er sich vorstellen koennte, was das ist? Ne.
00:02:45: Das du irgendwie wirklich was am Ruecken hast?
00:02:47: Ne, dadurch, dass mein Bein halt taub war,
00:02:51: war es schon, glaube ich so eine
00:02:53: Kritisch, weiss sie nicht.
00:02:55: haetten sie mich direkt in die Roehre gesteckt.
00:02:57: Es haette Bandscheibenvorfall alles sein koennen, aber genau deswegen in die Roehre.
00:03:02: Ja und du hast auch ziemlich schnell ein Termin bekommen?
00:03:04: Oder musstest du dann auch lange warten?
00:03:07: aehm, komischerweise ging das alles dann ganz schnell.
00:03:12: Und das in Zeiten von einer Corona Pandemie.
00:03:16: Oh ja, stimmt.
00:03:17: Das ist fuenf Jahre her. Das war 2020.
00:03:19: ja, genau. Da kam das gerade rueber.
00:03:23: Ich hatte gluecklicherweise ein sehr guten Radiologen,
00:03:28: der sich dann direkt meine Bilder angeguckt hat
00:03:30: und am gleichen Tag mich angerufen hat und gesagt hat,
00:03:33: Wir muessen noch mal ein MRT machen mit Kontrastmittel.
00:03:37: Oh krass. Und noch ein CT auch am selben Tag.
00:03:42: Und keine Ahnung, habe ich eine Woche oder so auf den Befund gewartet,
00:03:47: da hat der mich angerufen und gesagt Das ist seltsam.
00:03:51: Diese eine Stelle, die betroffen ist, das koennten verschiedene Arten sein.
00:03:57: Im Kopf ist mir jetzt gerade nur das Sacrum geblieben.
00:04:00: Das ist eine ganz seltene Art von Krebs.
00:04:04: Der tritt nur am Ende der Wirbelsaeule und am Anfang der Wirbelsaeule auf.
00:04:08: Und dann sollte ich noch zur Knochen Szintigrafie.
00:04:11: Genauso habe ich dann auch
00:04:13: innerhalb von zwei Wochen glaube ich einen Termin bekommen
00:04:16: und da war dann zu sehen, dass es wirklich nur diese eine Stelle war.
00:04:21: Also das war sakral Wirbelkoerper unten genau.
00:04:26: Was ging dir durch den Kopf, als dir die Diagnose genannt worden ist?
00:04:30: Gar nichts.
00:04:31: Ich habe ueberhaupt nicht an so was gedacht.
00:04:34: Ich habe gedacht Ja, lass die mal reden.
00:04:37: Es wird schon alles gut sein, Also weiss ich nicht.
00:04:41: Ja, erst mal nicht wie mit mir gemacht.
00:04:43: Und der Radiologe war so nett, dass er mich dann
00:04:45: an einen guten Kollegen in der Uni Duesseldorf verwiesen hat
00:04:50: und ja, mit ihm habe ich dann auch recht zeitnah einen Termin bekommen.
00:04:55: Aber er hat.
00:04:57: Was hat er gesagt? Ich weiss es gar nicht genau.
00:04:59: Lieber gesagt aufgrund dieser Stelle,
00:05:03: weil das so nah am Spinalkanal ist,
00:05:05: moechte er mich lieber nach Essen in die Uniklinik verweisen.
00:05:08: Bei da eine Neurochirurgie ist ja
00:05:11: und dann bin ich nach Essen gefahren, in die Uniklinik.
00:05:14: Du hast zu dem Zeitpunkt noch ganz weit weg gewohnt, oder?
00:05:17: Ne, ich hab hier, ich komme aus Viersen und das war auch alles hier in Viersen.
00:05:22: Ah, okay, genau bin ich nach Duesseldorf und dann nach Essen geschickt worden.
00:05:27: Und in Essen war ich dann auch erst mal ein, zwei Jahre in Behandlung.
00:05:31: Die haben mich zeitnah ziemlich schnell.
00:05:34: Also die haben mich auch noch mal ins MRT gesteckt
00:05:37: und haben zeitnah dann OP geplant.
00:05:40: Erst mal eine Biopsie.
00:05:42: Entschuldigung, total vergessen.
00:05:44: Ja, die erste hat nichts ergeben.
00:05:47: Die war so mit CT gesteuert, wo ich auch wach war.
00:05:51: Aber da wird zu wenig Gewebe, konnte zu wenig Gewebe vom Knochen entnommen werden
00:05:57: und dann kurze Zeit spaeter eine offene Biopsie
00:06:00: und da machen die so schnell Tests
00:06:03: und da war denen schon klar, dass das eine Metastase ist
00:06:07: und ja, der histologische Befund war
00:06:11: dann gefuehlt eine Woche spaeter da
00:06:14: und dann hiess es ja, ein Adenokarzinom,
00:06:18: das ist ein Tumor der Druesengewebe genau. Wow.
00:06:25: Und daraufhin hat mich dann Essen komplett auf den Kopf gestellt.
00:06:29: Mit allen moeglichen Untersuchungen
00:06:32: von noch mal ins CT zum HNO geschickt,
00:06:37: Gynaekologen. Warum zum HNO? Ja, weil auch
00:06:42: Kehlkopf betroffen waren und
00:06:45: Nase irgendwas genau
00:06:48: weiss ich, ja alles, alles gecheckt.
00:06:52: wow.
00:06:52: Genau. Alles gecheckt.
00:06:55: Er hatte ich auch meine erste Mammographie
00:06:57: mit 29 ja
00:07:00: und dann haben die aber nichts gefunden
00:07:04: und daraufhin wurde dann ein Pet CT angeordnet.
00:07:08: Das ist so ein spezielles CT,
00:07:11: wo Glukose intravenoes gespritzt wird
00:07:15: und im CT leuchten dann die Tumorzellen quasi
00:07:21: und daraufhin hat man ganz klein, winzig klein im Darm was gesehen.
00:07:26: Das konnte man halt vorher bei den ganzen Untersuchungen nicht sehen.
00:07:29: Wow, da koennen wir ja eigentlich froh sein,
00:07:31: dass die Forschung so weit ist, dass sie solche Moeglichkeiten haben.
00:07:35: Und das so aerzte hattest, die da so hinterher waren und rausfinden wollten,
00:07:39: was du wirklich hast.
00:07:40: Ja, das stimmt.
00:07:41: Und waehrend der Biopsie haben die naemlich dann auch schon
00:07:45: 30 bis 40 % der Metastase mit weggenommen.
00:07:48: Genau. Ja.
00:07:51: Du hast ja vorhin auch gesagt, das war eine offene Biopsie.
00:07:54: Was kann ich mir denn darunter vorstellen?
00:07:56: Das war ja eine richtige OP, wo die mich quasi aufgeschnitten haben
00:08:03: und dann Teile meiner Wirbelsaeule des Wirbelkoerpers entnommen haben.
00:08:09: Ja, aber wie gesagt, nur 30 bis 40 %, da
00:08:13: das halt genau auf den Spinalkanal gedrueckt hat und deswegen halt
00:08:17: auch die Taubheitsgefuehl im rechten Bein.
00:08:21: Ja, also die Wahrscheinlichkeit,
00:08:23: dass da haette mehr passieren koennen, war halt viel zu hoch.
00:08:27: Oh ja, das hoert sich wirklich furchtbar an!
00:08:31: Wie hat sich dein Leben danach veraendert?
00:08:33: Hmm, eigentlich nicht.
00:08:37: Ja, ja, es war schon
00:08:37: Ja, ja, es war schon
00:08:41: Ein Schlag fuer meine Familie auch.
00:08:43: Aber fuer mich halt. Ich habe.
00:08:46: Ich bin Krankenschwester von Beruf.
00:08:48: Das haette ich vielleicht auch mal sagen koennen am Anfang.
00:08:50: Ich war immer positiv und habe gesagt Ja,
00:08:53: die Medizin ist so weit, das wird schon alles.
00:08:57: Ich werde da schnell wieder rauskommen.
00:08:59: Das klar, kein Problem.
00:09:02: Das war auch uebrigens
00:09:03: mein erster Krankenhausaufenthalt.
00:09:04: Ich habe vorher noch nie
00:09:05: im Krankenhaus gelegen oder sonst irgendwas.
00:09:08: Ich habe immer nur die andere Seite kennengelernt, als Krankenpflegerin.
00:09:12: Das reicht auch schon.
00:09:13: Ja, ich kenne. die Seite als Patienten, die moechte man ja immer
00:09:17: ungern kennenlernen, weil es ja auch immer ein schlechtes Zeichen ist.
00:09:22: Na ja, und dann
00:09:26: gab es
00:09:27: auch 33 Einheiten an Bestrahlungen direkt
00:09:33: Ach so, ne, oh Gott, ich habe mich vertan.
00:09:35: Da kam vorher dann noch da die den Darmkrebs entdeckt haben,
00:09:39: haben die dann an meinem 30.
00:09:41: Geburtstag mir ein Stueck Darm entfernt.
00:09:44: Genau. da musste ich mich. Oh nein an seinem Geburtstag? ja,
00:09:48: das war der einzige Tag, wo der Arzt noch
00:09:53: vor seinem Urlaub das minimalinvasiv machen konnte.
00:09:57: Ja, und das habe ich dann gemacht
00:10:00: ein Stueck deines Darms ist entfernt worden,
00:10:02: das heisst, du bist danach auch Stoma versorgt worden?
00:10:06: Genau.
00:10:07: Ich hatte ein Anuspreta und fuer drei Monate.
00:10:12: Der konnte dann wieder zurueck verlegt werden.
00:10:15: oh , sehr schoen.
00:10:16: Ja, aber das stimmt.
00:10:19: Das waren nicht so gute Erfahrungen.
00:10:21: Wie ging es dir damit? Ja, das
00:10:25: nicht gut in dem jungen Alter.
00:10:27: Erst mal
00:10:28: wusste ich nicht so recht damit umzugehen.
00:10:30: Und das System war halt auch nicht so gut.
00:10:33: Es sind viele Unfaelle passiert sozusagen.
00:10:37: Ja, und der das ja diese drei Monate,
00:10:41: die waren schlimm und da bin ich auch teilweise dann nicht mehr raus getraut.
00:10:45: Ja, hast du das selber versorgen koennen
00:10:48: oder brauchtest du einen Pflegedienst, der dich da unterstuetzt?
00:10:51: Ne, ich hab es selbst versorgt.
00:10:53: Genau. Wow
00:10:54: Ja und dann wollte ich halt so schnell, dass sie drei Monate umgehen
00:10:58: und ich die Zurueckverlegungen machen kann.
00:11:02: Ja, das und das hat auch geklappt.
00:11:05: Das hat genau das hat richtig gut geklappt.
00:11:07: Sehr schoen.
00:11:09: Und dann kam die Bestrahlung?
00:11:11: Ne In der Zwischenzeit kam dann sogar die Bestrahlung
00:11:13: und gleichzeitig auch eine Chemotherapie in Tablettenform.
00:11:18: Die habe ich auch richtig gut vertragen.
00:11:21: Und die Strahlentherapie habe ich auch gut vertragen. Super.
00:11:24: Aber ich hab von der Bestrahlung nur ein bisschen muede.
00:11:27: Das habe ich auch ambulant gemacht.
00:11:28: Ich bin 33 Tage quasi immer nach Essen mit dem Taxi gefahren,
00:11:33: aber halt auch da irgendwie immer immer wieder positive Erfahrungen gemacht.
00:11:37: Ich hatte so einen netten Taxifahrer, Fahrer, war das
00:11:40: Immer der gleiche? Ja, das war immer der gleiche.
00:11:43: Ach schoen.
00:11:44: Auch so in meinem Alter und dann sind wir, ich weiss gar nicht ob ich das sagen soll, aber wir sind
00:11:48: durch Essen gegangen,
00:11:50: nochmal zum Baldeneysee nach Essen
00:11:51: gefahren und so es war eine schoene Zeit.
00:11:54: Eigentlich doch beste draus gemacht. Irgendwie wieder.
00:11:57: Auch das freut mich, dass er dich da auch irgendwie so emotional
00:12:01: auch so unterstuetzt hat und eine schoene Zeit draus gemacht hat.
00:12:04: Ja, genau.
00:12:06: Und wie war das bei der Bestrahlung?
00:12:08: Warst du da alleine
00:12:09: oder waren dann da auch andere Menschen, die an Krebs erkrankt sind,
00:12:12: die du dann da auch erleben konntest mit ihrem Schicksal?
00:12:16: Ne, dass die Bestrahlung an sich geht nur 20 Minuten.
00:12:19: Man faehrt halt wirklich nur kurz dahin.
00:12:21: Und ja, ich habe ein paar gesehen,
00:12:24: aber wirklich Kontakt gehabt nicht Aber das war auch sehr gut getaktet.
00:12:28: Immer.
00:12:29: Also ne, ja,
00:12:32: das habe ich irgendwie auch gemeistert
00:12:34: und deine Familie und Freunde haben die dich unterstuetzt in der Zeit?
00:12:38: Ja total.
00:12:39: Die standen komplett hinter mir. Das ist
00:12:44: mir ist das auch gar nicht so bewusst gewesen,
00:12:46: dass ich das so alles allein gemacht habe, zum Beispiel immer dahin gefahren.
00:12:51: Aber fuer mich war es irgendwie so selbstverstaendlich.
00:12:53: Aber ich habe dann irgendwann eine Serie gesehen,
00:12:57: eine amerikanische, wo die das halt so richtig feiern,
00:13:02: krebsfrei zu sein und immer
00:13:05: jemand waehrend der Chemo dabei sass und so was alles.
00:13:08: Und da habe ich gemerkt boar krass, du hast das schon gut gemacht so,
00:13:12: also waere mir sonst nicht aufgefallen, also dir hat nichts gefehlt?
00:13:17: Ne, ne ich habe mich auch ueberall gut aufgehoben gefuehlt.
00:13:20: Das ist, glaube ich auch wichtig. Das ist cool.
00:13:23: Ja, und dann.
00:13:24: Und dann hatte ich
00:13:27: nach weiss ich nicht, nach einem halben Jahr [00:13:29] ungefaehr wieder starke Rueckenschmerzen und bin direkt wieder nach Essen gefahren.
00:13:35: Und dann haben sie mich noch mal operiert Und wieder die Wirbelkoerper haben
00:13:39: ja so Hoecker
00:13:40: und dann haben
00:13:40: die diesmal diese drei Hoecker weggenommen, damit die Metastase halt,
00:13:44: damit da wieder mehr Platz ist und nichts auf den Spinalkanal druecken kann.
00:13:48: Ja, aber das hat dann auch nicht so lange gehalten
00:13:52: und daraufhin habe ich dann irgendwann noch mal eine zweite Chemo bekommen.
00:13:56: Die war dann aber intensiver und das war auch eine Infusion.
00:14:00: Ja, ja, alle zwei Wochen.
00:14:02: Und da habe ich dann auch immer eine Woche wirklich flach gelegen
00:14:07: und dann bin ich aber auch wieder arbeiten gegangen. Also
00:14:10: Ja, ich bin waehrend meiner Chemo auch arbeiten gegangen,
00:14:13: weil ich auch nicht zu Hause sitzen konnte und es hat mir gut getan.
00:14:18: Das heisst auch dein Umfeld, also nicht nur Familie und Freunde,
00:14:22: sondern auch die Arbeitskollegen haben dich da unterstuetzt.
00:14:25: Ja, und koerperlich hast du das auch geschafft?
00:14:28: Also du warst nicht
00:14:29: erschoepft von der Chemotherapie, die ja jetzt doch ein bisschen heftiger war?
00:14:34: Ja, die eine Woche, die war dann schlimm.
00:14:37: Da habe ich viel gelegen und auch mit uebelkeit zu kaempfen gehabt.
00:14:42: Und ja, mir sind dann auch ein paar Haare ausgefallen.
00:14:46: Also mein Onkologe sagte, meine Haare werden nur duenner.
00:14:49: hat mir aber gleichzeitig ein Rezept fuer eine Peruecke hingelegt.
00:14:52: Oh Gott, und das war dann ja das.
00:14:55: Ich glaube, das war auch eine Nummer noch mal schlimmer fuer mich irgendwie.
00:14:59: Aber auch daran hat man sich schnell gewoehnt.
00:15:03: Hast du das Rezept eingeloest?
00:15:05: Ja, ja, Ich habe es vorzeitig schon eingeloest.
00:15:08: Das fuer den Notfall.
00:15:09: Ich immer was da aber genau eine Peruecke
00:15:11: Da habe. Wie war das Gefuehl fuer dich? Ja,
00:15:16: sehr schwer. Ja.
00:15:19: Also es war nie so, dass ich mir die jetzt abrasiert habe, wie man es kennt.
00:15:22: Aber da sie zu duenn geworden sind, habe ich sie halt dann ueber meine duennen
00:15:26: Haare immer gezogen, bis der Sommer kam.
00:15:29: Da war es dann,
00:15:32: da war es dann viel zu heiss und dann habe ich mir irgendwann
00:15:36: meine Haare dann kurz abgeschnitten und dann hatte ich eine Kurzhaarfrisur.
00:15:39: Ja, wow.
00:15:41: Wie war das fuer dich, in einen Perueckenladen zu gehen?
00:15:44: Hast du gedacht,
00:15:45: jetzt kann ich mich mal austoben und mal was ganz anderes ausprobieren?
00:15:48: Oder bist du dir so deinem Typ treu geblieben?
00:15:51: Ich habe nur die Laenge ein bisschen laenger gemacht,
00:15:54: meine Haare aber sonst eigentlich treu geblieben.
00:15:58: Was sind das fuer geheime Wuensche, die du eigentlich schon immer gehabt hast,
00:16:01: die du dann ausleben konntest?
00:16:04: Ja, ja, das ja doch, ja, immer sehr duenne Haare.
00:16:08: Und mit der Peruecke hatte ich dann mal volles, kraeftiges, laengeres Haar
00:16:13: Ja, aber die gleiche Farbe, aehnlicher Schnitt.
00:16:17: Ja, ja, guck mal, dann hat es ja auch doch ein bisschen
00:16:20: was Gutes gehabt.
00:16:23: Gab es medizinische Entscheidungen, die dir besonders schwer gefallen sind?
00:16:27: Also wieder eine OP zu machen?
00:16:29: Wieder ein Stueck auf deines Rueckgrats oder Steissbein
00:16:32: Was war es jetzt genau, zu verlieren?
00:16:35: ja, das war mein Kreuz und Steissbein, die fehlen mir jetzt.
00:16:39: Aber das kam dann genau im Sommer 22, da
00:16:44: hatte ja mein Onkologe eigentlich schon die Hoffnung aufgegeben.
00:16:49: Hat gesagt, eine Operation waere viel zu aufwendig,
00:16:53: weil man mein ganzes Becken quasi auseinandernehmen muesste.
00:16:58: Oh mein Gott.
00:16:59: Und ja, da sieht er irgendwie keine Moeglichkeit.
00:17:03: Da geht es jetzt irgendwie nur noch um Lebensqualitaet.
00:17:06: Und die letzte Chemo war auch schon eigentlich nur um
00:17:10: lebensverlaengernde Massnahme geplant,
00:17:13: weil die halt alle nicht geholfen haben.
00:17:16: Im Knochen. Haben die dir
00:17:19: eine Prognose gegeben?
00:17:21: Ne, so genau habe ich nicht nachgefragt.
00:17:24: Wollte ich auch gar nicht.
00:17:25: Also ich, ich habe. Ich konnte es auch nicht.
00:17:28: Ich konnte es nicht annehmen, Gar nicht.
00:17:30: Ich habe
00:17:31: Irgendwann habe ich dann durch meinen Freundeskreis
00:17:35: eine Freundin gehabt, die in Bern,
00:17:39: in der Schweiz eine eine Klinik gearbeitet hat.
00:17:42: Da habe ich mir die Kontaktdaten aufgeschrieben
00:17:45: und Berlin Charite habe ich dann hingeschrieben mit meinen Bildern
00:17:51: und gesagt, wie es aussieht, ob sie mich operieren wuerden.
00:17:55: Die Charite hat geantwortet und gesagt, dass die Wahrscheinlichkeit
00:17:59: ist, querschnittsgelaehmt zu werden, mit 50 bei 50 50 liegt
00:18:04: und die das nicht machen wuerden.
00:18:06: Und ja, da wurde dann.
00:18:09: Da ging es mir dann halt gar nicht so gut, dieser Rueckschlag.
00:18:13: Und da habe ich mir dann angefangen, psychologische Hilfe zu holen.
00:18:17: Und irgendwann meinte mein Onkologe aber dann,
00:18:21: es gibt noch jemanden, den er kennt in Dresden,
00:18:25: aber ich gehe nicht davon aus, dass er das machen wird.
00:18:29: Und dann haben wir gesagt Ja, moechten wir trotzdem versuchen.
00:18:32: Er schickt meine Bilder vom PET CT dahin
00:18:36: und der hat sich dann tatsaechlich gemeldet,
00:18:38: als ich zu Hause war mit meiner Familie, meiner Mutter, meiner Tante.
00:18:42: Und dann haben wir mit dem Professor,
00:18:46: der war spezialisiert fuer Viszeral Chirurgie.
00:18:50: aehm, telefoniert 20 Minuten oder so
00:18:53: und ja, der hat mir dann alles erklaert,
00:18:58: beschrieben und Kontra-Indikationen genannt
00:19:02: und ja, was geht und was nicht mehr geht.
00:19:06: Aber mein groesster Wunsch war es halt nach der OP wieder laufen zu koennen
00:19:11: und das haben die gesagt, dass das funktionieren wird.
00:19:15: Sahst du in der Zeit davor im Rollstuhl?
00:19:17: Nein, davor nicht. Ich habe.
00:19:19: Ne, ich bin komplett gelaufen.
00:19:21: Zwar mit Schmerzmitteln, aber ich.
00:19:23: Ne, ich war auch kurz vorher noch einem Festival, hab da getanzt.
00:19:28: Ich Wie gesagt, ich wollte es nicht wahrhaben.
00:19:31: Ich Ja, ich hab bis dato mein Krebs irgendwie nie so ernst genommen.
00:19:36: So kann man es, glaube ich sagen. aehm, ja.
00:19:39: Und der Professor fuer viszeral Chirurgie
00:19:43: in Dresden, der hat die OP schon.
00:19:48: Was heisst, die haben keine
00:19:49: Anzahl gesagt, Aber sie machen die halt nicht oft mit seinem Kollegen.
00:19:52: Das ist ein Unfallchirurg, auch spezialisiert auf Tumorchirurgie.
00:19:56: aehm, genau. Dass die das machen wuerden.
00:19:59: Na ja, und dann haben mich mein Bruder und mein Cousin
00:20:04: Anfang August 22, dann der 1.
00:20:07: August sogar nach Dresden gefahren.
00:20:09: Ja, ich habe mich zwischendurch nach hinten gelegt, weil ich konnte
00:20:13: lange Zeit nicht sitzen, weil das immer weh tat
00:20:15: Im Ruecken
00:20:17: habe ich mich hinten auf die Rueckbank gelegt, diese sechs Stunden Autofahrt.
00:20:21: Sechseinhalb. Ich weiss gar nicht mehr, wie lang das war.
00:20:23: Ja, und dann haben die mich da
00:20:27: vor der Klinik rausgelassen in der Riesen Universitaetsklinik Dresden.
00:20:31: Wahnsinn war so eine Klinik und ich bin da reinspaziert und hab dann
00:20:37: das erste Mal den Professor live gesehen und live mit ihm gesprochen.
00:20:41: Mit einem der beiden Genau.
00:20:43: Sind die beiden wieder abgereist oder haben sie sich fuer die Zeit
00:20:46: auch weiterhin vor Ort unterstuetzt?
00:20:48: Ne, die sind wieder abgereist, mussten arbeiten beide genau. Wow.
00:20:52: Das heisst du warst wieder alleine und hast das alleine durchgestanden.
00:20:55: Ja, stimmt.
00:20:57: Wobei deine Mama kam relativ zeitnah, glaube ich, ja nach gereist.
00:21:02: Oh ja, sehr gut.
00:21:03: Also mein Bruder und mein Cousin haben mich in Dresden abgelassen.
00:21:07: Das war dann die erste Woche, wo alles vorbereitet worden ist
00:21:10: und dann bin ich zwei Tage operiert worden und dann lag ich eine Woche auf Intensiv
00:21:15: und dann ist meine Mutter mit ihrem Freund gekommen
00:21:18: und daraufhin war ich quasi auch eigentlich nie alleine in Dresden.
00:21:23: Es war immer jemand da.
00:21:25: Meine Mutter hat sich abgewechselt mit meiner Tante und Freunde waren da.
00:21:29: Pia war da, mein Bruder war da.
00:21:31: Alle waren viele Leute da und das hat mir sehr viel Kraft gegeben.
00:21:37: Und das Bloede allerdings war, dass die Krankenkasse nichts davon
00:21:40: an Kosten uebernommen hat.
00:21:42: Oh mein Gott Nein? ne, ne.
00:21:44: Meine Psychologin hat mir ein Schreiben
00:21:46: ausgestellt, aber das hat nicht gereicht, weil
00:21:48: das waere nur fuer Minderjaehrige gegangen und die bin ich nicht mehr.
00:21:51: Aber natuerlich habe ich.
00:21:53: Alleine waere ich, glaube ich, durchgedreht.
00:21:55: Hast du manchmal das Gefuehl gehabt, dass du nicht ausreichend
00:21:59: unterstuetzt worden bist von der Medizin, weil so viele die OP abgelehnt haben?
00:22:04: Oh Ne, ich fand sie
00:22:05: eigentlich ehrlich von Berlin, der Charite, weil
00:22:09: die letzte Zeit, im Rollstuhl zu sitzen.
00:22:11: Also bewusst weiss ich nicht, ob ich es gemacht haette.
00:22:14: Ja, und du hattest keine Angst, dass das jetzt einfach
00:22:17: nur ein experimentierfreudige Krankenhaus ist, Was jetzt gesagt hat
00:22:21: Ja, wir machen die OP, Wir nehmen dich dran?
00:22:23: Ne, gar nicht. Ich.
00:22:25: Du hast dich immer sicher gefuehlt?
00:22:26: Der war so sympathisch.
00:22:27: Der Arzt am Telefon schon.
00:22:30: Wir haben den dann natuerlich gegoogelt.
00:22:31: Und was weiss ich nicht alles.
00:22:33: Einmal durchgecheckt.
00:22:34: Na ja, beim Arzt.
00:22:37: Man konnte halt auch sehr wenig ueber diese OP finden.
00:22:40: Sakrektomie nennt man das, wenn man das ganze aus Sacrum rausnimmt.
00:22:46: Das sind quasi ja so gross wie meine Handflaeche.
00:22:49: die letzten 7, ja 7 bis 10 Zentimeter,
00:22:52: die ich auch jetzt kleiner bin, weil die fehlen halt in meiner Wirbelsaeule.
00:22:56: Hat das jetzt irgendwelche neuen
00:23:00: Einschraenkungen im Alltag fu?r dich, ausser dass du kleiner geworden bist?
00:23:03: Kannst du dich normal weiter bewegen oder hat das andere Einschraenkungen?
00:23:07: Also die.
00:23:09: Ich habe zwei Monate in Dresden im Krankenhaus gelegen,
00:23:13: wurde aber zeitnah auch mobilisiert
00:23:17: und das ging mit dem Rollator.
00:23:21: Und es hiess auch ich darf alles machen.
00:23:23: Ich bin dann von Dresden aus in eine neurologische Reha
00:23:26: nach Bonn gegangen, weil ich unbedingt Richtung Heimat wieder wollte
00:23:31: und es hiess ich darf alles machen.
00:23:33: Und da habe ich dann auch Rollstuhlsport und so was mitgemacht.
00:23:37: Oh, cool.
00:23:38: Ja, das doch, das hat schon Spass gemacht.
00:23:41: Da war es dann auch ja es war cool, mit so Gleichgesinnten was zu unternehmen.
00:23:45: Und ja, welche Sportarten hast du da gemacht?
00:23:49: Wir durften zum Aussuchen, Basketball, Volleyball.
00:23:52: Ja, voll cool.
00:23:55: Und dann sind.
00:23:56: Aber dann hatte ich so starke Schmerzen wieder, dass
00:24:00: die wieder ein CT gemacht haben und da konnte man sehen,
00:24:03: dass die ganzen Schrauben und Stangen, die mein meine Wirbelsaeule
00:24:06: mit meinem Becken quasi fixiert und verbunden haben, gebrochen sind.
00:24:11: Oh mein Gott und ich gleichzeitig auch eine dicke Infektion hatte.
00:24:17: Mein Ruecken ist irgendwie aufgegangen.
00:24:19: War so ein zwei Zentimeter dickes Loch an der Stelle.
00:24:23: Ah, Das war zu Weihnachten.
00:24:25: Weiss ich noch.
00:24:25: Mein Cousin und meine Familie sind auch alles Krankenpfleger.
00:24:29: Die haben das dann gereinigt und so und man konnte schon tatsaechlich
00:24:33: die Schrauben fuehlen und sehen und so. Oh wie furchtbar.
00:24:38: Ja, aber genau dann bin ich sofort wieder von der Reha
00:24:41: nach Dresden gefahren, wurde wieder operiert und mobilisiert.
00:24:46: Drei Monate lang Antibiotikum bekommen aufgrund der Infektion
00:24:50: und das war dann auch ueber Silvester und kurze Zeit
00:24:54: spaeter bin ich dann aufgestanden und dann hat es wieder Knack gemacht.
00:24:58: Vorher habe ich es nicht gespuert.
00:24:59: Als sie, aber dann im Krankenhaus selbst hat es dann nochmal Knack gemacht
00:25:03: und da habe ich gesagt da hat irgendwas fuehlt sich wieder komisch
00:25:06: an, wieder gleicher Schmerz wollten die mir erst nicht glauben.
00:25:10: Aber dann bin ich wieder
00:25:11: in die Roehre gekommen gesagt Ja, da ist wieder eine Schraube gebrochen.
00:25:14: Und dann wurde ich zwei Wochen spaeter
00:25:17: wieder operiert und wieder schrauben.
00:25:21: Es wird immer.
00:25:22: Das ganze Gestell wird dann rausgenommen und neu gemacht,
00:25:25: Auch aus Infektionsgruenden oder?
00:25:28: Ja, genau.
00:25:29: Und der Professor, der un der Unfallchirurg, der ist halt so,
00:25:34: man sagt ja wie Orthopaeden so und so ein bisschen botter,
00:25:37: ja Die sagen dann so gesagt wie es ist.
00:25:39: Ich kann ihnen nicht sagen, was ich bei ihnen machen werde.
00:25:42: Ich kann erst, wenn ich sie aufmache, sehen, was ich veraendern werde. Ja, solche Saetze kenne ich.
00:25:46: Dann haben sie das.
00:25:47: Dann haben die das immer weiter veraendert,
00:25:50: mehr stabilisiert, mehr Stangen rein usw und so fort.
00:25:54: Und dann ging es quasi.
00:25:56: Also ich musste ja dann auch immer zur Liegend zurueck transportiert werden,
00:26:00: weil ich so lange Zeit von Dresden aus nicht sitzen konnte.
00:26:03: Und dann ging es ein Jahr gut.
00:26:06: Genau.
00:26:07: Und bis ich mich dann irgendwann ich sage immer, ich habe mich angehoert
00:26:10: wie so ein altes Knirschendes Fahrrad ja
00:26:16: habe, bin ich wieder in die Roehre gegangen hier
00:26:18: und die haben aber nichts gesehen und bin da noch in Urlaub geflogen.
00:26:22: Als ich gleichzeitig die Bilder nach Dresden geschickt habe.
00:26:25: Und im Urlaub hatte ich dann wieder so starke Schmerzen,
00:26:29: dass ich dann nur noch liegen konnte
00:26:31: und dann habe ich direkt in Dresden angerufen, habe vom Urlaub aus
00:26:35: wieder zurueck nach Dresden kommen kann und gucken kann, was da passiert.
00:26:39: Das hat gesagt ja, ich habe gerade ihre Bilder bekommen
00:26:41: und es sieht so aus, als waere da wieder was gebrochen. Oh.
00:26:45: Ja, und dann bin ich mit sehr viel Aufwand von Forte Ventura
00:26:49: nach Dresden in die Uniklinik gekommen und wurde wieder operiert.
00:26:55: Das ist jetzt wie lange her?
00:26:57: Die letzte OP war Anfang 24,
00:27:01: das heisst, du bist jetzt fast anderthalb Jahre OP frei?
00:27:04: Genau.
00:27:05: Ja, hoffen wir mal, dass es auch so bleibt und das es jetzt haelt.
00:27:09: Die haben jetzt bei der letzten OP haben die mir noch fremd Knochen eingesetzt,
00:27:13: damit meine Wirbelsaeule verbunden ist mit meinem
00:27:17: Becken, mit meinem Becken.
00:27:19: Genau und ich glaube es.
00:27:21: Also ich spuere eine grosse Veraenderung.
00:27:24: Das es jetzt stabil ist und auch das, was er da noch mal gemacht hat.
00:27:29: Also ja, ich bin guter Dinge und ich habe halt jetzt auch in der Zeit
00:27:33: viel mehr Muskeln aufgebaut als vorher.
00:27:36: Deswegen. Oh sehr schoen.
00:27:37: Das freut mich. denke ich, dass das alles gut gehen wird.
00:27:41: Wie sieht dein Alltag jetzt aus?
00:27:43: Du hast bestimmt Therapien, die du jetzt wahrnimmst.
00:27:46: Ich habe ja eben schon erwaehnt
00:27:47: die Pia, deine Physiotherapeutin, sitzt auch noch mit daneben.
00:27:52: Ich bin zweimal die Woche hier.
00:27:53: Bei Lettsfit fuer jeweils fast eine Stunde anderthalb Stunden
00:27:59: und wir trainieren
00:28:03: mit allen saemtlichen Hilfsmitteln
00:28:05: und Therapeuten in jede Richtung.
00:28:09: Muskelaufbau, Gehtraining, stabilisieren.
00:28:12: Weil mir auch das Gleichgewicht halt fehlt, fehlte also es deutlich besser geworden.
00:28:18: Und ich bin halt sehr dankbar, dass wir das alles immer mit gefilmt haben,
00:28:22: weil ich so halt enorm diese Fortschritte sehe. Das ist cool.
00:28:26: Ja, wie ich zu Anfang gelaufen bin
00:28:29: und jetzt, das kann man gar nicht vergleichen.
00:28:32: Pia, Vielleicht kannst du als Therapeutin
00:28:36: auch noch mal aus deiner Sicht erzaehlen, wie
00:28:41: wie da so eure Ziele sind, woran ihr arbeitet.
00:28:44: Ich glaube, das erste
00:28:45: Ziel war grundsaetzlich erst mal das Carmen auf die eine kommt und das wir
00:28:49: Stueck fuer Stueck das Gangbild wieder verbessern,
00:28:51: Stuetzen, abbauen, Rollator abbauen, Orthesen abbauen.
00:28:55: Das war auch noch alles in der ganzen Zeit. Und
00:28:59: ja, Ziele sind weiter zu stabilisieren.
00:29:01: Am Gangbild zu feilen
00:29:02: und das wir so viel Muskeln aufbauen oder Carmen so viel Muskeln
00:29:06: aufbaut, dass sie das dann nichts mehr kaputt gehen kann.
00:29:10: Man weiss natuerlich nicht, was sie alles in der OP entfernt haben
00:29:15: oder die Muskeln wieder angesetzt haben.
00:29:17: Das ist halt auch noch mal ein Punkt, den kann auch keiner beantworten.
00:29:21: Wir hatten noch ein Gespraech mit dem Professor bei Entlassung oder
00:29:25: als wir gefahren sind und das war fuer mich als Therapeutin super aufschlussreich.
00:29:31: Genauso wie fuer meine Kollegen dann.
00:29:33: Genau das ist eigentlich so der Masterplan
00:29:37: und Carmen macht das mega gut
00:29:41: und sie kann so stolz auf sich sein, dass sie das alles so gut geschafft hat.
00:29:46: Also ich ziehe den Hut vor ihr mit ihrem Lebensmut
00:29:49: und ja kann ich nicht anders sagen.
00:29:52: Wir haben auch eine kleine ueberraschung fuer dich vorbereitet
00:29:56: warte einen kurzen Moment. meine liebe Carmen.
00:29:59: Ich moechte dir an dieser Stelle sagen,
00:30:00: wie unglaublich
00:30:01: stolz wir alle auf dich sind und wie unglaublich stolz du auf dich sein kannst.
00:30:05: Du bist einer der staerksten Menschen, die ich kenne.
00:30:09: Trotz allem, was du durchmachen musstest, all der Rueckschlaege,
00:30:11: all der schweren Tage, stehst du heute hier.
00:30:14: Es ist bewundernswert, wie du nie aufgegeben hast,
00:30:16: wie du immer wieder aufgestanden bist und wie du an dir selbst gearbeitet hast.
00:30:20: Es ist so schoen zu sehen, wo du heute angekommen ist.
00:30:23: Ich bin unfassbar dankbar, dass du in meinem Leben bist.
00:30:27: Oh Dankeschoen.
00:30:31: Ich muss gerade selber schlucken.
00:30:34: Ich glaube nicht Nur du. Wow. Krass.
00:30:37: Das ist eine Nachricht von deiner Freundin Rebecca.
00:30:39: Fuer dich. Krass.
00:30:40: Nicht nur deine Physiotherapeutin, auch deine Freundin.
00:30:43: Die steht hinter dir und findet das ganz grosse Klasse, was du geleistet hast.
00:30:48: Und auch die ganze Familie.
00:30:51: Das sollte ich dir auch noch mal von ganzem Herzen ausrichten.
00:30:54: Oh Gott, ich bin sprachlos.
00:30:57: Oh. ich habe es
00:31:00: verrueckt ey. Ich habe es niemanden gesagt, dass ich das hier.
00:31:02: Ja super.
00:31:04: Boar ist das cool. Boar ist das Schoen,
00:31:09: war es schwer fuer dich
00:31:10: heute im Podcast ueber deine Krankheit oeffentlich zu sprechen?
00:31:14: Ja, also ich gehe schon offen damit um.
00:31:18: Aber im Podcast ist es noch mal was anderes.
00:31:21: Auf jeden Fall.
00:31:24: Was hat dir geholfen, die Entscheidung zu treffen, hier heute herzukommen?
00:31:29: Moechtest du vielleicht Menschen irgendwas mitgeben?
00:31:32: Der Zuspruch.
00:31:33: Klar, die Motivation, das ganze Team
00:31:37: Lettermann, meine Familie, meinen Freunden,
00:31:42: einfach allen Danke sagen dass sie hinter mir gestanden haben.
00:31:46: Das ist das Wichtigste, was man haben kann.
00:31:50: Ja, danke schoen. Oh.
00:31:53: Sehr, sehr gerne.
00:31:55: Und ich denke, dass sich das auch im Namen deiner Familie
00:31:58: und deiner Freunde sagen kann, dass sie alle sehr gerne fuer dich da sind.
00:32:01: Dankeschoen.
00:32:03: Hat sich deine Einstellung zum Leben vor und nach der Diagnose
00:32:06: ein bisschen veraendert?
00:32:07: Absolut.
00:32:09: Ich lebe mein Leben noch mehr, als ich es vorher schon gemacht habe.
00:32:14: Und alle
00:32:16: negativen Energien
00:32:18: habe ich soweit zur Seite geschoben.
00:32:22: Ja doch.
00:32:23: Hast du Plaene fuer die Zukunft?
00:32:25: Ich moechte wieder so feiern gehen wie frueher.
00:32:30: Also ich mach es eh schon, aber noch mal anders
00:32:33: und wieder so viel Reisen wie vorher.
00:32:37: Genau.
00:32:38: Ja, Ich wuensche dir, dass du das alles schaffst.
00:32:40: Dass du das Leben feiern kannst, egal von welchem Ort auf der Welt
00:32:44: und druecke dir ganz, ganz, ganz, ganz fest die Daumen, dass du wieder gesund wirst.
00:32:49: Oh Dankeschoen.
00:32:51: Schoen, dass du heute da warst.
00:32:52: Schoen, dass ich hier sein konnte.
00:32:55: Sehr gerne.
00:32:57: Danke.
00:32:59: Was gibt es Neues von Merle?
00:33:02: Bei den letzten Aufnahmen haben wir uns ja aus unseren Urlaub herausgehoert.
00:33:06: Und ich habe euch erzaehlt, dass Merle kurz vor dem Urlaub einen Krampfanfall hatte
00:33:11: und dass uns das ziemlich den Boden unter den Fuessen weggezogen hat.
00:33:15: Und jetzt
00:33:16: ist es so gewesen, dass sie im Urlaub auch wieder einen Krampfanfall hatte.
00:33:21: Diesmal nicht beim Aufwachen.
00:33:23: Sie war schon anderthalb Stunden im Bett, aber ich habe es wieder
00:33:26: uebers Babyphone gehoert.
00:33:27: Wir waren sofort zur Stelle, aber diesmal natuerlich nicht
00:33:31: in Deutschland, sondern im Ausland, in der Niederlande.
00:33:34: Und das hat uns natuerlich
00:33:37: vor ein paar Herausforderungen gestellt.
00:33:40: Wir hatten ein Notfallmedikament dabei, das konnten wir ihr auch
00:33:43: nach fuenf Minuten verabreichen.
00:33:46: Und in der Zeit habe ich dann den Notruf gewaehlt.
00:33:49: Und trotz der sprachlichen Barriere hat es wirklich super funktioniert
00:33:53: und man hat sich wirklich wunderbar um uns gekuemmert.
00:33:56: Das System in der Niederlande ist ein bisschen anders.
00:33:59: Hier in Deutschland ist es ja so, dass jede Kommune
00:34:01: ganz viele Rettungswagen hat, die ganz schnell vor Ort sein koennen.
00:34:05: Dort ist es ein bisschen anders.
00:34:06: Wir haben weniger Rettungswagen, haben dafuer aber Menschen, die quasi
00:34:11: vorab einmal vorfahren und gucken Worum geht es ueberhaupt?
00:34:14: Ist ueberhaupt ein Rettungswagen wirklich noetig?
00:34:17: Oder brauchen wir womoeglich einen Helikopter?
00:34:19: Und das hat ungefaehr 20 Minuten gedauert, bis jemand vor Ort war
00:34:23: und sich das angeguckt hat und auch entschieden hat
00:34:26: Die Merle muss unbedingt ins Krankenhaus einmal untersucht werden.
00:34:30: Und dann kam die naechste Herausforderung.
00:34:32: Die umliegenden Krankenhaeuser hatten entweder keine Neurochirurgie,
00:34:36: die wir brauchen, bei Merle Shunt versorgt ist oder keine Paediatrie.
00:34:40: Also keine Kinderstation, wodurch wir wirklich 100 Kilometer
00:34:45: mit dem Rettungswagen transportiert wurden bis nach Amsterdam.
00:34:49: Wir sind im Krankenhaus angekommen und das war
00:34:52: ein ganz anderes Gefuehl als die Krankenhaeuser,
00:34:54: die wir hier aus Deutschland kennen. Wir kennen
00:34:56: Leider Gottes sehr, sehr viele Krankenhaeuser
00:34:59: und wir sind ganz liebevoll aufgenommen worden.
00:35:02: Wir sind sofort gefragt worden, ob wir etwas zu trinken haben moechten.
00:35:06: Wasser, Kaffee, Tee, Kakao.
00:35:09: Und ich muss sagen, von meinen Gefuehlen her war ich in dem Moment ueberhaupt
00:35:12: gar nicht offen fuer so was und habe das erst mal dankend abgelehnt.
00:35:16: Und auch dort haben wir uns wirklich ueber Englisch super unterhalten koennen.
00:35:21: Ich war vorbereitet, weil wir eine Notfallmappe haben fuer Merle.
00:35:25: Da kann ich auch gerne
00:35:25: mal mehr drueber erzaehlen, wenn ich das noch nicht getan habe,
00:35:29: wo wir alle wichtigen Informationen draufstehen haben.
00:35:31: Und so konnten wir uns mit den aerzten wirklich prima verstaendigen,
00:35:35: die dann auch entschieden haben, dass sie gerne ein CT machen wuerden,
00:35:38: um zu schauen, ob irgendwie mit dem Shunt
00:35:40: alles in Ordnung ist, ob sie eventuell eine Hirnblutung hat.
00:35:43: Und anders als in Deutschland war es so, dass wir innerhalb von fuenf Minuten
00:35:47: im CT waren und weitere fuenf Minuten spaeter hatten wir schon das Ergebnis.
00:35:51: Es war Samstagnacht und ich glaube, ich darf diese Vermutung aufstellen.
00:35:57: In Deutschland haetten wir wahrscheinlich Montagnachmittag noch kein CT gehabt
00:36:01: und das CT sah nicht gut aus, dass ist aufgrund von Merles
00:36:05: Hirnveraenderungen fuer uns leider Normalitaet und Realitaet,
00:36:09: wodurch wir dann
00:36:10: unsere 24 Stunden Notfallnummer von der Neurochirurgie rausgegeben haben,
00:36:14: die sich dann auch noch mal mit den aerzten in Verbindung gesetzt haben.
00:36:18: Und wir konnten dann
00:36:19: ein paar Stunden spaeter auch schon das Krankenhaus wieder verlassen.
00:36:22: Es war wirklich auch von den Raeumlichkeiten.
00:36:24: Es war ganz anders. Es waren schnelle Ablaeufe.
00:36:27: Es waren wirklich anders,
00:36:29: als sie es in Deutschland kennen und wir haben uns rundum wohlgefuehlt.
00:36:33: Und diese Angst, im Ausland in ein Krankenhaus zu muessen,
00:36:37: haben wir jetzt nicht mehr.
00:36:39: Wir haben einen weiteren Punkt auf einer Bucketlist,
00:36:41: die wir eigentlich nicht haben wollen, den wir abhaken koennen.
00:36:44: Einmal im Ausland im Krankenhaus gewesen zu sein.
00:36:48: Merle geht es jetzt besser.
00:36:49: Wir sind mittlerweile auch wieder aus dem Urlaub zurueck
00:36:52: und werden weiter
00:36:54: euch auf dem Laufenden halten, wie sich ihr Gesundheitszustand entwickelt.
00:36:58: Wir hoffen, euch hat die Folge gefallen und wir hoeren uns wieder in zwei Wochen.
00:37:02: Vergesst nicht uns zu bewerten und schreibt uns gerne
00:37:05: Kommentare und Nachrichten ueber unseren Instagram Account.
00:37:09: Lett'sTalk.Podcast oder ueber unsere Emailadresse lettstalk@Letterman.de
00:37:15: Bis in zwei Wochen. Tschuess.
00:37:18: Das war Lett's talk.
00:37:19: Mutmacher Geschichten, die verbinden.
00:37:22: Wir hoffen, dass euch diese Folge genauso bewegt hat wie uns und freuen uns,
00:37:26: euch in zwei Wochen zur naechsten Episode wieder hier begruessen zu duerfen.
00:37:29: Bleibt gespannt.
00:37:30: Es warten weitere inspirierende Geschichten,
00:37:33: spannende Einblicke und vielleicht auch ein paar ueberraschungen auf euch.
00:37:37: Alles weitere findet ihr in Shownotes.
00:37:39: Habt ihr Fragen und Anregungen?
00:37:40: Schreibt uns eine Mail an Lettstalk@Letterman.de
00:37:45: In 14 Tagen hoert ihr uns wieder.
00:37:46: Bis dahin Bleibt mutig, bleibt verbunden und denkt daran.
00:37:50: Zusammen geht immer mehr.
00:37:52: Euer Team von LettsTalk-Mutmacher.
00:37:54: Geschichten, die verbinden.
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